Basler Fasnacht 2016 – eine Stadt im Ausnahmezustand

Basler Fasnacht 2016 – eine Stadt im Ausnahmezustand

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch verfügbar.

Während der Basler Fasnacht zeigen sich die Basler von ihrer schönsten Seite – so sagt man. Das wollten wir in diesem Jahr genauer wissen und haben uns deshalb selbst in das Getümmel rund um die „drey scheenste Dääg“ gestürzt und dabei Basel und Fasching von einer ganz neuen Seite kennengelernt.

Morgenstraich – der Höhepunkt der Basler Fasnacht

Sonntag, 11:00 Uhr
Obwohl der Entschluss, in diesem Jahr die Basler Fasnacht zu besuchen, schon seit Wochen steht, haben wir noch immer keinen exakten Plan, wie wir das Ganze anpacken wollen. Immerhin beginnt der Morgenstraich um 4 Uhr in der Früh, sodass es durchaus zu überlegen gilt, ob und wann wir zumindest ein paar Stunden schlafen wollen. Egal, wir haben ja noch ein paar Stunden Zeit, um uns das zu überlegen.

Sonntag, 16:00 Uhr
Wir sind da! Basel bzw. im Moment erst einmal das carathotel Basel/Weil am Rhein hat uns.

Sonntag, 18:00 Uhr
Immer noch planlos, was den morgigen Tag betrifft, beschließen wir, erst einmal im Restaurant Hazienda zu Abend zu essen – eine Stärkung werden wir nämlich mit Sicherheit brauchen, wenn wir den Fasnachtsmontag so richtig auskosten wollen.

Sonntag, 20:00 Uhr
Unser Plan steht! Der öffentliche Nahverkehr funktioniert in Basel zwar (oder gerade auch) während der Fasnacht extrem gut, allerdings macht die Tram in der Nacht eine Fahrpause. Die erste Tram zu nehmen, erscheint uns zu heikel – denn mit dieser Verbindung wären wir erst um ca. 3:30 Uhr in der Basler Innenstadt. Also entscheiden wir uns dazu, zumindest noch ein paar Stunden zu schlafen und die letzte Tram zu nehmen, die um kurz vor 0:00 in Weil abfährt.

Sonntag, 23:30 Uhr
Bewaffnet mit einem Becher Coffee-to-go (selten war uns die Cafeteria im Hotel so willkommen) machen wir uns auf den Weg zur Tramhaltestelle „Dreiländerbrücke“.

Montag, 00:15 Uhr12715738_10208985101809781_5262269153705060711_n
Bereits im Vorfeld haben wir die „Café Singer Bar“ als Location unserer Wahl erkoren – zum einen, weil sie zentral am Basler Marktplatz liegt, und zum anderen, weil sie auf Facebook mit „Aufwärmen mit Ausblick“ wirbt. Dieser bleibt uns jedoch größtenteils verwehrt, da der Balkon geschlossen bleibt – ein Blick aus dem Fenster hilft uns allerdings von Zeit zu Zeit, den aktuellen Andrang auf dem Marktplatz einzuschätzen. Ansonsten überzeugt die Bar durchaus mit Flair und gutem Rotwein.

Montag, 02:00 Uhr
Puh, immer noch zwei Stunden bis es endlich los geht. Obwohl wir nur knapp 3 Stunden geschlafen haben, sind wir jedoch erstaunlich fit.

IMG_0685-bMontag, 03:15
Der Marktplatz hat sich merklich gefüllt. Für eine gute Sicht sind wir daher mehr als bereit, uns bereits jetzt auf die Straße zu stellen und die letzte dreiviertel Stunde inmitten tausender anderer auf den Morgenstraich zu warten. Immerhin regnet es nicht und die nächtliche Temperatur ist mit 4 Grad auch gut auszuhalten.

Montag, 03:59 Uhr
Der Morgenstreich gilt als „gespenstischer Auftakt“ und „bekanntester Höhepunkt“ der Basler Fasnacht – entsprechend gespannt warten wir also auf den Vieruhrschlag der Kirche St. Martin, der die „drey scheenschte Dääg“ einläutet.

Montag, 04:00 Uhr
Es geht los! Pünktlich um 04:00 Uhr erlischen alle Lichter der Stadt und die sogenannten „Cliquen“, bestehend aus Vortrab (den „Platzschaffern“), Zugslaterne, Pfeifern und Tambouren mit ihren Kopflaternen, „Larven“ (Masken) und Kostüm. Wir sind unweigerlich beeindruckt von der Atmosphäre, in die die Stadt mit einem Mal getaucht wurde.

IMG_0656Montag, 04:30 Uhr
Die Cliquen mit ihren faszinierenden Masken ziehen weiterhin durch die dunklen Straßen, die einzig durch die Kopf- und Zugslaternen erleuchtet werden. Kurzzeitig sind wir etwas verwirrt, als die Cliquen nicht länger als einheitlicher, aneinander gereihter „Zug“ auftreten, sondern plötzlich viel mehr kreuz und quer laufen und jeweils ihren eigenen Weg gehen. Nach kurzer Zeit stellen wir aber fest: Das macht den Morgenstraich noch unvorhergesehener und spannender.

 

Montag, 06:00 Uhr
Während ganz langsam die Dämmerung anbricht, überkommt uns so langsam doch die Müdigkeit. Deshalb fahren wir zurück ins Hotel, was dank der perfekten alternativen Tram-Verbindungen problemlos möglich ist.

Montag, 07:00 Uhr
Das Frühstück gönnen wir uns noch, dann fallen wir jedoch erst mal ins Bett.

Cortège – der Festzug am Nachmittag

Montag, 13:00 Uhr
Nach fünf Stunden Schlaf geht es für uns weiter: das „Cortège“, wie man in Basel den traditionellen Fasnachtsumzug nennt, wollen wir uns selbstverständlich nicht entgehen lassen.

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Montag, 14:00 Uhr
Unseren Platz am Marktplatz fanden wir beim Morgenstraich ja schon super, also gehen wir keine Experimente ein und platzieren uns wieder dort – zumal man dort auch einen guten Blick auf die gegenläufige äußere und innere Route des Cortège hat. Die trommelnden und pfeifenden Cliquen des Morgenstreichs werden am Nachmittag von Guggenmusikern und Waggis-Wagen begleitet. Von dort aus werden Obst und Gemüse, Blumen und Süßigkeiten verteilt – und vor allem eine Menge Konfetti geworfen.

Montag, 15:00 Uhr
IMG_0565Nach nur einer Stunde ist der Boden bereits so sehr mit Konfetti überhäuft, dass der Asphalt nicht mehr zu sehen ist. Der Wahnsinn!

Montag, 16:00 Uhr
Da wir kein Mittagessen hatten, macht sich so langsam Hunger breit. Daher kehren wir im Stadtkeller Basel ein, wo uns die Fasnachtsdekoration zwar fast erschlägt, das Essen aber gut und erschwinglich ist.

IMG_0583-bMontag, 18:00 Uhr
Vereinzelt sind noch Cliquen unterwegs, das große Schauspiel scheint aber definitiv vorbei zu sein. Auch wir müssen uns leider schon an Tag 1 von der Basler Fasnacht verabschieden – schade, denn wir wären unter anderem gerne der Frage nachgegangen, wie lange sich der Konfetti-Teppich hält. Sollte das jemand von Ihnen wissen, freuen wir uns sehr über einen entsprechenden Kommentar!

 

Fazit

Mit der „klassischen“ Fasnacht hat die Basler Fasnacht tatsächlich recht wenig gemein – nichtsdestotrotz ist es ein Spektakel, das man unbedingt einmal erlebt haben sollte. Unser Tipp: Nehmen Sie sich den Dienstag auf jeden Fall auch noch frei! So können Sie nicht nur noch die Schnitzelbänke am Abend besuchen, sondern haben auch ausreichend Zeit, um sich zu erholen – denn wenig Schlaf ist auf jeden Fall vorprogrammiert. Wir empfanden die Basler Fasnacht auf jeden Fall als eine tolle Art, uraltes Brauchtum und einen ganz speziellen Teil der Schweizer Kultur kennenzulernen.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch verfügbar.

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