Auf den Spuren der Hildegard von Bingen – in Bingen am Rhein

Auf den Spuren der Hildegard von Bingen – in Bingen am Rhein

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch verfügbar.

Dass die Stadt Bingen der zentrale Ort von Hildegards Wirken war, zeigt sich insbesondere daran, dass das von ihr gegründete Kloster Rupertsberg auf Binger Gemarkung stand. Die heilige Hildegard lebte im 11. und 12. Jahrhundert, leider ist deshalb heute nur noch wenig aus dem damaligen Stadtbild erhalten. Trotzdem lehrt uns ein Spaziergang durch die Binger Altstadt viel über das Leben und die Errungenschaften der Hildegard von Bingen und zeigt uns, wie stolz die Stadt noch heute auf Ihre wahrscheinlich berühmteste Bürgerin ist.
Um auf den Spuren der Hildegard durch Bingen zu gehen, hilft der Flyer zum Binger Hildegard-Weg mit seiner detaillierten Skizze und den ausführlichen Informationen zu den einzelnen Punkten zur Orientierung.

Hildegarten-BeeteDa man von Rüdesheim am besten mit der Personenfähre nach Bingen kommt, beginnen wir den Hildegard-Rundgang am besten direkt am Rheinufer und gehen zum Museum am Strom, wo der Lebensweg und die Lehren der Benediktinerin anschaulich dargestellt sind. Wer nicht genug Zeit hat um sich die Ausstellung anzusehen geht direkt weiter zur zweiten Station nebenan, dem Hildegarten. Hier werden auch heute noch viele der Pflanzen angebaut, die in der Hildegardmedizin eine tragende Rolle spielen, Hinweistafeln erklären ihre Bedeutung, Anwendung und Wirkung.

Anschließend überqueren wir die Eisenbahnschienen und gelangen über die Salzstraße in die Altstadt. Durch diese Gasse schritt auch bereits Hildegard von Bingen, heute kann man in mehreren dortigen Läden unzählige Hildegard-Produkte entdecken.
Burg Klopp (2)Am Speisemarkt biegen wir links ab und gehen durch die Kapuzinergasse, am Burggraben vorbei zur über den Stadt thronenden Burg Klopp. Von dort oben hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt und kann sich mit dem Geschichtsprojektor ein Bild der Stadt zeichnen, wie es zu Zeiten der heiligen Hildegard dort aussah.
Die Weinreben am Schlosspark sind die einzigen Überbleibsel der ausgedehnten Weinberge, die in Bingen zu Beginn des letzten Jahrtausends über den Hügeln der Stadt erstreckt haben.

Unterhalb der Burg Klopp liegt der Hildegard-Informationspunkt – das Informationsbüro der Stadt, wo Sie wirklich alles über die Äbtissin und berühmteste Bürgerin der Stadt erfahren können. Basilika St. MartinVon dort aus geht es weiter zur Basilika St. Martin, die zum ersten Mal schon im Jahr 1006 erwähnt wurde, was darauf hinweist, dass auch Hildegard früher während ihrer Zeit in Bingen dort gebetet hat. Auch heute ist die restaurierte Basilika von innen und außen sehr schön anzusehen und allemal einen Besuch wert.

Von hier gehen wir weiter zum Naheufer, von wo man früher direkt zum Kloster auf dem Rupertsberg hinüber sehen konnte. Leider ist von dem imposanten Gebäude seit dem dreißigjährigen Krieg kaum mehr etwas übrig, dennoch kann man sich an dieser Stelle gut in vergangene Zeiten hinein versetzen. Ein paar Schritte weiter in Rheinrichtung befindet sich die Nahebrücke, von wo aus man die Drususbrücke aus dem 11. Jahrhundert sehen kann. Diese Brücke bestand bereits zu Zeiten Hildegards und war für das Hildegard und ihre Gefährtinnen von großer Bedeutung, verband sie doch das Kloster mit der Stadt Bingen und auch mit dem Rest des Landes. Die meisten von Hildegards zahlreichen Reisen werden an der Drususbrücke begonnen haben.

Bingen-von-oben-RupertsbergNachdem wir den Fluss überqueren, nähern wir uns dem Standort von Hildegards Kloster immer mehr. Um 1150 herum wurde der Grundstein für das prächtige Gebäude gelegt, der Ort, an dem Hildegard von Bingen über 30 Jahre gelebt hat, unzählige Visionen hatte und die Erkenntnisse daraus in ihren Schriften aufgezeichnet hat. Außer dem Gewölbe, das an den Wochenenden besichtigt werden kann, ist vom Kloster heute leider nicht mehr viel übrig. Die Pfarrkirche St. Rupertus stammt nicht aus Hildegards Zeit, wurde aber Ende des 19. Jahrhunderts, als sie mit Ihren Fähigkeiten und Werken in der Bevölkerung allmählich mehr und mehr verehrt wurde, zu ihrem Gedächtnis errichtet.

Durch den neueren Stadtteil Bingerbrück gehen wir am Hauptbahnhof vorbei ans Rheinufer und verweilen zum Abschluss des Spaziergangs in einem kleinen Park mit schöner Sicht auf den sagenumwobenen Mäuseturm. Personenfaehre-Bingen-RuedesheimSo entspannt wie wir hier sitzen und den Blick auf das Wasser genießen, hat Hildegard allerdings wohl nur wenige Stunden in ihrem Leben verbracht – wie aus ihrem Werk „Physica“ hervorgeht, mochte sie den Rhein nicht besonders und beklagt sich über eine ätzende Wirkung des Wassers auf der Haut… Uns gefällt der Ausblick trotzdem und wir halten noch einen Moment inne, bevor wir uns wieder zurück zum Fähranleger begeben, um die Rückfahrt nach Rüdesheim anzutreten!

 

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