Ein Ausflug in die Anfänge des Weinbaus: Das Rüdesheimer Weinmuseum

Ein Ausflug in die Anfänge des Weinbaus: Das Rüdesheimer Weinmuseum

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch verfügbar.

Treten Sie in die Fußstapfen der Gebrüder Grimm, Mendelssohn und Goethe, die alle schon durch diese Gemäuer gewandelt sind! Letzterer schrieb über seinen Besuch in der Brömserburg in Rüdesheim: „Man windet sich stufenweise durch finstere Mauerspalten hindurch und findet zuletzt, auf thurmartigen Zinnen, die herrlichste Aussicht“.
Diese wunderbare Aussicht kann man auch heute noch genießen, und auf dem Weg dorthin fast nebenbei eine ganze Menge über Wein im Allgemeinen und die Arbeit der Rüdesheimer Winzer im Verlauf der Zeit erfahren, denn die Brömserburg beherbergt heute nämlich das Rüdesheimer Weinmuseum. Bereits im Garten der Burg stehen mächtige Weinpressen aus Holz und Stein sowie einiges weiteres schweres Gerät, das während den verschiedenen Jahrhunderten zur Weinherstellung genutzt wurde.
Zum Eintrittspreis von 5,00€ pro Person gibt es am Eingang einen Audio-Guide , der einen durch die alten Mauern führt und allerhand Wissenswertes zu erzählen weiss.

Die Brömserburg und ihre Bewohner

Zu Beginn gibt es eine Einführung zur Burg selbst, zur Entwicklung von der Zollstation zur Ritterburg und schließlich zum Museum, sowie zu den ihren wechselnden Besitzern. Der letzte Zweig der Ritter von Rüdesheim, in deren Besitz die Burg lange war, trug den Namen Brömser – woher der heutige Name rührt. Bis 1937 wurde die Burg noch bewohnt, später dann von der Stadt Rüdesheim gekauft, die dort zunächst Kriegsgefangene und anschließend Obdachlose unterbrachte, bis das Gemäuer 1950 dann zum Museum hergerichtet wurde.

Die Arbeit im Weinberg

Nach diesen Informationen zum Gebäude widmet man sich im angrenzenden Raum nun dem Wein. Traubenmühlen, Weinpressen, Werkzeuge und Transportmittel für die Arbeit am Weinberg werden anhand originaler Ausstellungsstücke erläutert und deren technische Weiterentwicklung aufgezeigt. Auch den Weg der Traube von der Rebe zur Maische kann der Besucher nachvollziehen und erfährt dabei, welche große Rolle die gesamte Familie des Winzers bei der Weinernte spielte.

Lagerung, Abfüllung und Konsum

Der erste Stock widmet sich der Kunst der Fassbinder und zeigt originale, detaillierte Zeichnungen ebenso wie verschiedenste Fassarten und deren Verzierungen.
Im zweiten Stock erfahren Besucher nun alles Wichtige zur Abfüllung des Weins, Flaschen- und Korkenarten. Spannend ist hier auch die Ausstellung altertümlicher Verzehrgefäße aus unterschiedlichen Epochen von der Antike bis heute. Aufmerksame Augen lesen hier auch, seit wann man Bowle trinkt, und wie es überhaupt dazu kam, dass Wein mit Obst und Säften angesetzt wurde.

Prickelnde Erzeugnisse

Anschließend schickt uns der Audio-Guide in das sogenannte Sektkabinett. Auch hier werden teils antike, wertvolle Gläser gezeigt. Die Ausstellung beschäftigt sich aber auch mit dem Erfinder des Sekts und den verschiedenen Problemen bei der Sekt-Herstellung und Lagerung in der Anfangszeit, sowie deren Lösungen. Durch die vorhandene Kohlensäure blieb der Korken nämlich nicht, wie bei den Weinflaschen, im Flaschenhals stecken, sondern wurde durch den Druck im Inneren der Flasche herausgedrückt. Nach der vermuteten Erfindung des Sekts bereits im 16. Jahrhundert sollte es bis ins 19. Jahrhundert herein gedauert haben, dieses Hindernis in den Griff zu bekommen.
Zum Abschluss des Rundgangs werden nochmals Gläser und Trinkgefäße aus verschiedensten Epochen der Menschheit gezeigt, darunter auch sehr bunte, fantasievolle und eigenwillige historische Stücke.

Zum Abschluss: Weinprobe mit Aussicht

Und nun kommt der Teil des Brömserburg-Rundgangs, der bereits durch Goethe’s Zitat im Eingangsbereich angekündigt wurde: die auslandende Terrasse mit einem wunderbaren Blick über den Rhein und auf das gegenüberliegende Städtchen Bingen! Der Aufstieg über die steilen, engen Treppen hat sich in diesem Moment auch für diejenigen gelohnt, die an der liebevoll und interessant aufgearbeiteten Geschichte des Weinbaus nur wenig Interesse gezeigt haben!

Einziges kleines Manko im Rüdesheimer Wein-Museum: Die Ausstellung scheint schon ein wenig in die Jahre gekommen zu sein – moderne, museumspädagogische Gimmicks und interaktive Stationen sucht man hier in diesen Mauern vergeblich. Das macht jedoch die anschließende, freiwillige Weinprobe allemal wieder wett :-)

Das Weinmuseum Brömserburg ist nur ein paar Schritte vom hoteltraube Rüdesheim entfernt und hat von März bis Oktober täglich zwischen 10.00 Uhr und 18.00 Uhr geöffnet.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch verfügbar.

Noch keine Kommentare

Antworten

zürücksetzen