Auf den Spuren der Hildegard von Bingen… in Rüdesheim

Auf den Spuren der Hildegard von Bingen… in Rüdesheim

Das Leben der Hildegard von Bingen

Wer in Rüdesheim und im gegenüberliegenden Bingen am Rhein unterwegs ist, stößt binnen kurzer Zeit unweigerlich auf den Namen Hildegard von Bingen. Die Benediktinerin aus dem 11. Jahrhundet hat mit ihren Schriften, insbesondere zur Medizin und Naturheilverfahren, noch heute einen großen Einfluss – die sogenannte Hildegardmedizin gewinnt in den letzten Jahren wieder immer stärker an Bedeutung. Doch auch als Dichterin, Musikerin und Gelehrte hat Hildegard von Bingen auch lange nach ihrem Tode noch von sich reden gemacht.
Im Jahr 1098 geboren und im Kloster aufgewachsen, wurde sie mit 38 Jahren Magistra und leitete in dieser Funktion die Gemeinschaft frommer Frauen auf dem Disibodenberg bei Obernheim am Glam. Da Hildegard aufgrund ihrer fortschrittlichen Weltanschauung jedoch oft mit dem dortigen Abt aneinanderrasselt, gründet sie einige Jahre später kurzerhand ihr eigenes Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen. Wegen genau diesem fortschrittlichen Denken und ihrem breiten Wissen über Arzneien und Heilmittel erlangt sie schnell eine große Popularität, Kranke von nah und fern lassen sich hoffnungsvoll und oft erfolgreich von ihr behandeln. Ihr Wissen und ihre Taten, auch bei der Führung ihrer Novizinnen, rechtfertigt sie mit der Gabe, göttliche Visionen empfangen zu können, die sie später auch detailliert in mehreren Bänden beschreibt und für die Nachwelt festhält. Im Alter von 66 Jahren gründet sie schließlich das Kloster in Eibingen, einem Ortsteil in Rüdesheim, genau gegenüber vom Rupertsberg gelegen. Vierzehn Jahre später stirbt sie im Kloster Rupertsberg, wo ihre Reliquien auch bis 1631 aufbewahrt wurden. Zum Schutz vor dem dreißigjährigen Krieg wurden sie jedoch in die Kirche des Klosters Eibingen gebracht.

Der 17. September, der Todestag der Hildegard von Bingen, wird in Eibingen auch heute noch mit dem Hildegardisfest gefeiert. Schon während und erst recht nach ihrem Ableben wurde Hildegard wie eine Heilige verehrt – die offizielle Heiligsprechung fand jedoch erst mehr als 800 Jahre nach ihrem Tod statt, nämlich im Jahr 2012 durch Papst Benedikt XVI, der sich bereits während seiner Zeit als Professor ausgiebig mit Hildegards Lehren und ihrem Leben beschäftigt hat.

Der Rüdesheimer Ortsteil Eibingen hat demnach allen Grund, stolz auf „seine“ Hildegard zu sein. Aus diesem Grund wurde auch die berühmte Abtei oberhalb des Orts, die erst im Jahr 1904 gegründet aber zugehörig zur Abtei Rupertsberg und Eibingen ist, nach dieser beeindruckenden Frau benannt.

Der Rüdesheimer Hildegard-Weg

Rüdesheim-Besucher, die sich für das Leben und Schaffen der heiligen Hildegard interessieren und zugleich gut zu Fuß sind, können auf dem Rüdesheimer Hildegard-Weg einen Einblick in das Leben und die Umgebung der Benediktinerin verschaffen.

Hildegard-Weg Hildegard von Bingen Rüdesheim

Am Anleger der Personenfähre geht der Hildegard-Weg los und führt zunächst zur Brömserburg, die heute ein Weinmuseum beherbergt, und anschließend bergauf in die Rüdesheimer Weinberge.

Hildegard-Weg Hildegard von Bingen Rüdesheim

Von dieser Erhebung aus ist die Sicht auf das gegenüberliegende Bingen besonders gut. Nach einem kurzen Marsch kann man am Aussichtspunkt erkennen, wo früher das von der heiligen Hildegard gegründete Kloster Rupertsberg gestanden hat.

Hildegard-Weg Hildegard von Bingen Rüdesheim

Der Pfad führt direkt oberhalb von Eibingen entlang, wo wir beim Friedhof einen kleinen Abstecher in den Ort hinein zur Wallfahrtskirche St. Hildegard, wo die Gebeine und der Reliquienschatz liegen.

Hildegard-Weg Hildegard von Bingen Rüdesheim

Durch die Weinberge geht es nun weiter bergauf zur über dem Örtchen thronenden Abtei St. Hildegard. Der dortige Klosterladen ist eine wahre Fundgrube für Verehrer der Hildegard-Medizin. Hier gibt es viele Lebensmittel zu kaufen, die den Ernährungsempfehlungen der Benediktinerin entsprechen, sowie eine Vielzahl an Büchern und verwandten Artikeln zum Thema Hildegard von Bingen.

Hoch über dem Rhein gehen wir anschließend parallel zum Flusslauf nach Westen weiter durch die malerischen Weinberge, von wo uns immer wieder andere Perspektiven auf die traumhafte Landschaft an diesem Rheinabschnitt eröffnet. Kurz nachdem uns der Weg wieder zurück nach Rüdesheim führt kommen wir noch an einer prächtigen Linde vorbei, die sich für eine kurze Rast anbietet. Bei einem atemberaubenden Blick über Rüdesheim und die Weinberge kann man sich dort über die Natur- und Heilkunde der Hildegard informieren. Anschließend geht es dann gemütlich zurück ins Städtchen.Hildegard-Weg Hildegard von Bingen Rüdesheim

Die Strecke ist ca. 7,5 Kilometer lang. Bis zur Abtei St. Hildegard geht es knappe 200 Höhenmeter bei gemäßigter Steigung bergauf – wenn man genügend Zeit eingeplant hat, kommt man dabei jedoch kaum ins Schwitzen. Die Streckenführung und Beschreibung können Sie dem Flyer zum Rüdesheimer Hildegard-Weg entnehmen!

Noch mehr Spuren der heilige Hildegard

Übrigens – im gegenüberliegenden Städtchen Bingen gibt es ebenfalls einen Hildegard-Weg, der an zahlreichen historischen Orten, die in Zusammenhang mit Hildegard von Bingen stehen, vorbei führt und uns ihr Wirken noch näher bringt. Wir werden demnächst hier an dieser Stelle über den Binger Hildegard-Weg berichten!

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