Munich Greeter – Stadtspaziergang mal ganz persönlich

Munich Greeter – Stadtspaziergang mal ganz persönlich

Vor kurzem sind wir durch Zufall im Netz auf ein interessantes Projekt gestoßen, das uns sofort fasziniert hat: die Munich Greeter.  Eine Truppe echter Münchner, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Besucher der Stadt zu empfangen und ihnen ein authentisches, sympathisches und persönliches Bild der Stadt zu vermitteln. Und das tun sie alles ehrenamtlich.

Die Wurzeln der Greeter

Global Greeter Network LogoDie Idee dazu wurde allerdings nicht in München geboren, sondern in den USA, in New York City genauer gesagt. Die Big Apple Greeter, ein Netzwerk aus mittlerweile ca. 300 New Yorkern, haben sich im Jahr 1992 zusammengeschlossen mit dem Ziel, Besuchern zu zeigen, dass die Stadt nicht nur gefährlich, teuer und erdrückend ist. Gründerin Lynn Brooks war selbst eine begeisterte Reisende und lud, ganz nach amerikanischer Manier, eine Menge Menschen die sie auf ihren Trips traf, zu sich nach New York ein. Diese kamen auch gerne, hatten allerdings ein negatives Bild der Stadt. Dieses Image wollte Lynn aus dem Weg räumen, indem sie ihnen Ihre Lieblingsplätze und Geheimtipps zeigte. Dieses Engagement und die Nachfrage danach sind immer weiter gewachsen, sodass Lynn Unterstützung benötigte – die Big Apple Greeter waren geboren.

Das Konzept der Greeter macht Schule und ist mittlerweile nicht nur in den USA, sondern in über 70 Städten weltweit vertreten, alle organisiert im Global Greeter Network.

Die Munich Greeter

Munich Greeter LogoNun hat München nicht unbedingt mit einem negativen Image wie NYC in den 80ern zu kämpfen, sondern ist auf der ganzen Welt ein äußerst beliebtes Reiseziel. Allerdings beschränkt sich das Wissen und Interesse der München-Besucher oft auf Bayrisches Bier, Oktoberfest und Hofbräuhaus, sowie auf die typischen Sehenswürdigkeiten. Dass München darüber hinaus aber noch viele viele weitere schöne Ecken zu bieten hat, gerät dabei manchmal in Vergessenheit. Das Ziel der Munich Greeter ist es deshalb, ein authentisches und persönliches Bild der Stadt zu vermitteln und Touristen mehr zu bieten, als in gewöhnlichen Reiseführern zu lesen ist, sowie Menschen zu treffen, die selbst in München leben. Die Münchner Truppe ist seit 2009 aktiv und führt mittlerweile ca. 180 Greets pro Jahr durch.

Interview mit einem Greeter

Yvonne ist eines der Gründungsmitglieder der Munich Greeter und somit schon von Anfang an mit dabei. Wir haben ihr einige Fragen gestellt, um das Projekt Munich Greeter besser kennen zu lernen:

Yvonne, was fasziniert dich an den Greetern so sehr, dass du einen beträchtlichen Teil deiner Freizeit dafür opferst?

Yvonne: Es ist toll, Menschen aus aller Welt zu treffen, ihnen München zu zeigen und zu sehen, was ihnen gefällt und was ihnen auffällt. So waren fünf Amerikaner neulich total erstaunt, dass die Kassiererinnen bei uns im Supermarkt an der Kasse SITZEN (in den USA stehen sie). In den USA würde man das als Faulenzerei deuten, meinte einer der Gäste. Ein amerikanisches Ehepaar wiederum konnte sich kaum vorstellen, dass unsere Weihnachtsmärkte im Freien stattfinden. Ihr trockener Kommentar: „Wir haben es lieber warm und bequem.“  Es ist der interkulturelle Austausch, der mich fasziniert. Und ich kann mein Englisch üben. Bei jedem Greet lerne ich mindestens drei neue Worte dazu.

Wie würdest du einen Greet mit dir in einem Satz beschreiben?

Ein Greet ist immer eine Entdeckungsreise in ein verstecktes München, ein München hinter dem touristischen München – gespickt mit ein bisschen Geschichte, vielen Geschichten und einer Prise „Hier schmeckt’s am Besten“.

Welche falschen oder kuriosen Vorstellungen und Vorurteile haben deine Gäste von München, die du mit dem Greet aus dem Weg räumen kannst?

Unsere Gäste sind erstaunlicherweise recht vorurteilsfrei (oder zu höflich, ihre Vorurteile auszusprechen ;) ). Am ehesten noch glauben viele Gäste, dass wir immer pünktlich und extrem gut organisiert sind und alle Dinge sehr effektiv anpacken. Doch Vorurteile hin oder her: Im Großen und Ganzen sind unsere Gäste einfach neugierig, zu sehen, wie wir Greeter München sehen.

Was war dein lustigstes oder außergewöhnlichstes Erlebnis bei einem Greet?

Immer wieder spannend ist die Frage, ob ich meine Gäste auch finde. Mit Europäern gibt es da nie Probleme, die finden den Treffpunkt immer. Amerikaner dagegen muss man schon mal suchen. Das skurillste Erlebnis hatte ich mit einem amerikanischen Pärchen, mit denen ich mich am Isartor unter dem Torbogen verabredet hatte. Gefunden habe ich sie am Spielzeug-Museum nahe Marienplatz, 700 Meter vom Treffpunkt entfernt. Ihr Kommentar: „Das hier war der erste Torbogen, den wir gesehen haben.“ Nachdem wir uns glücklich gefunden hatten, gingen meine Sorgen weiter. Das Ehepaaar hatte mir eröffnet, dass sie sich gerade die Innenstadt angesehen hatten. Ausgerechnet! Dabei sollte der Greet durch die Gegend rund um den Marienplatz gehen. Wir beschlossen, den Weg trotzdem noch mal entlangzuspazieren und die Gäste waren begeistert: „Wir dachten, wir hätten alles gesehen. Aber Yvonne hat uns so viel gezeigt, dass uns zuerst entgangen ist.“

Hast du auch schon schlechte Erfahrungen gemacht ? Beispielsweise, dass Gäste nicht aufgetaucht sind, oder andere Vorstellungen als du von einem Greet hatten, …?

Zum Glück nein. Unsere Gäste sind ja im Urlaub und sehr entspannt. Und da wir unsere Greets an den Wünschen unserer Gäste ausrichten, können wir immer noch während des Greets das Programm ändern oder mal ne Pause einlegen. Neulich wollte ein junges Pärchen aus Australien den Greet mit einem Frühstück beginnen :)

Hast du selbst in einer anderen Stadt schon mal als Gast an einem Greet teilgenommen?

Leider, leider nein. Immerhin hatte ich kürzlich das Vergnügen, einem waschechten New York Greeter hier in München die Stadt zeigen zu dürfen.      

Vielen herzlichen Dank für deine Antworten!

Übrigens: Yvonne hat mich vor kurzem zu einem persönlichen Greet nach München-Haidhausen eingeladen – was wir dort zusammen erlebt haben, lesen Sie im nächsten Blogpost in der kommenden Woche!

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