Apfelwein – das ‚Frankfurter Nationalgetränk‘

Apfelwein – das ‚Frankfurter Nationalgetränk‘

Jeder Kontinent, jedes Land und jede Region hat ihre Spezialitäten. Im Essen, im Trinken und in der Kultur. Selbst Städte werden mit typischen Speisen und Getränken in Verbindung gebracht. Auch die Stadt Frankfurt hat ihr ‚Nationalgetränk‘. Und es hat nicht nur einen Namen. Neben ‚Schoppen‘, ‚Äppler‘ und ‚Stöffche‘ ist ‚Ebbelwei‘ der wohl bekannteste Name für Apfelwein. Das Lebensgefühl der Landeshauptstadt Hessens, eine der wirtschaftlich stärksten und  am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands, wurde von je her durch die Apfelweinkuktur geprägt. Der Spagat zwischen gelebter und geliebter Tradition und experimenteller Moderne zeichnet diese Stadt im Herzen Deutschlands aus. Der Apfelwein als Lebensgefühl einer Großstadt.

Für die, die es nicht gewöhnt sind, schmeckt der Ebbelwei schlicht und einfach zu säuerlich. Frankfurter bestehen aber darauf, dass säuerlich nicht mit bitter oder gar nach Essig schmeckend definiert wird. Seine goldgelbe Farbe zaubert dem echten ‚Ebbelwei Kenner‘ ein Strahlen in die Augen. Ohne Zuckersatz gekeltert bringt der frische Apfelgeschmack so manchen Frankfurter Feinschmecker ins Schwärmen. Kalorienarm und mit knapp 6% Alkoholgehalt ist der Apfelwein gerade zur Sommerzeit ein sehr bekömmliches Erfrischungs- und Mixgetränk. Selbst zur Herbst- und Winterzeit soll der Apfelwein mit Zimtstange, Gewürznelken und Zucker ein perfektes Hausmittel gegen Erkältungen sein. Der Ebbelwei wird im Oktober gekeltert und der frisch gepresste Saft in Eichenholzfässern gelagert. Die verschiedenen Arten des Getränks gründen auf der unterschiedlich langen Gärungszeit, die durch natürlichen Zuckeranteil und Umgebungshefe ausgelöst wird. Der schnell vergärende trübe Apfelsaft wird als sogenannter ‚Rauscher‘ ausgeschenkt und enthält keinen Alkohol. Erst die längere Gärungszeit macht das Frankfurter Nationalgetränk zu dem, was es ist, nämlich zum richtigen Ebbelwei.

Ebbelwei oder Apfelwein wird nicht in herkömmlichen Saft- oder Weingläsern serviert sondern in einem blaugrauen Keramikkrug, dem sogenannten ‚Bembel‘ und dem ‚Gerippten‘, ein Glasbecher mit Rautenprägung. Wer das Bundesland Hessen besucht, kommt am Apfelwein nicht vorbei. Jede Gaststätte serviert dieses ‚Nationalgetränk‘ oftmals aus eigener Kelterung. Die Frankfurter Apfelwein-Kultur ist über seine Grenzen hinaus bekannt. Der Stadtteil Sachsenhausen ist als Ebbelwei-Viertel Kult.

Die Geschichte des Apfelweins geht auf die Verwendung der Frucht als Apfelmost zurück. Griechen und Römer kamen schon vor über 3000 Jahren auf die Idee, Äpfel auszupressen, um durch Gärprozesse ein Getränk mit berauschender Wirkung zu erzielen. Vorgänger des Ebbelwei sind der Rebenwein, der nordspanische ‚Zagardua‘ und der ‚Cidre‘. Erst im 17. Jahrhundert begann die Erfolgsgeschichte des Apfelweins in Frankfurt. Aus Weinbergen wurden Streuobstwiesen mit vermehrter Apfelwein-Produktion. Das Reinheitsgebot der Stadt Frankfurt aus dem Jahre 1638 hat hier seinen Ursprung. Das Ebbelweizapfen war geboren und somit die Frankfurter Apfelweinkultur. Der öffentliche Ausschank wurde mit dem Heraushängen eines Fichtenkranzes kundgetan. Die ‚Erste Frankfurter Apfelweinkelterei‘ wurde 1817 von den Gebrüdern Freyeisen gegründet. Danach entstanden mehr und mehr Großkeltereien bis hin zu Kleinkeltereien und selbstkelternde Wirtshäuser.

Wegen Ernährungsnot wurde im Jahre 1917 ein Kelterverbot erlassen. Äpfel sollten nicht mehr vergoren sondern in Konserven aufbewahrt werden. Im zweiten Weltkrieg wurden ‚Nationalsozialistische Früchteverwertungen‘ eingerichtet. Sogenannte Sammelstellen für Obst. Äpfel sollten nur noch zu Saft und nicht zu Wein verarbeitet werden. Trotzdem wurde im Verborgenen die Apfelweintradition fortgeführt. Dank dieser Logen wurde der ‚Äppler‘ zum Kultgetränk aller Frankfurter und Hessen.

Mittlerweile produzieren 60 Keltereien jährlich 40 Millionen Liter Apfelwein. Ein eigenes Apfelweinfest mit buntem Show-Programm ist zum festen Bestandteil Frankfurter Kultur geworden. Rustikale und flippige Stände bieten verschiedene Sorten Ebbelwei zum Probieren an. Für die, die diese einmalige Kultur auch Zuhause erleben möchten, werden ‚Apfelweinausrüstungen‘ zum Verkauf angeboten. Bembel, Schoppendeckel und Ebbelwei-Gläser runden diese Angebotspalette perfekt ab. Wer Frankfurt besucht hat und keinen Apfelwein getrunken hat, war nicht wirklich in Frankfurt.

 

Foto „Apfelweinlokal in Alt-Sachsenhausen“: Copyright Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main, Fotograf Holger Ullmann

2 KommentareHinzugefügt

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  1. Guude an den Autor des Artikels, habe leider zwei Fehler entdeckt : 1. Frankfurt ist nicht die Landeshauptstadt von Hessen, sondern das ist WIESBADEN, 2. der Ebbelwoi im Herbst mit Gewürzen wird heiß getrunken und heißt dan nicht etwa Glühapfelwein sondern ganz schlicht " heiße Ebbelwoi " . Schöne Grüße von Karin, einem Frankforter Schlippsche ;-) (Dialektwort für die Mädchen aus Frankfurt)
    • carat hotels 14. April 2014 | Antworten
      Hallo Karin, vielen lieben Dank für deine Anmerkungen. Frankfurt ist gefühlt halt auch irgendwie Hauptstadt :) Magst du als "Frankforter Schlippsche" noch den ein oder anderen Tipp aus deiner Stadt mit uns und unseren Gästen teilen? Wir würden uns sehr darüber freuen! Schöne Grüße, Claudia

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